Long Iron Condor

Ein Long Iron Condor besteht aus einem gekauften Put und Call an inneren Basispreisen sowie einem verkauften Put mit niedrigerem und einem verkauften Call mit höherem Basispreis. Gleiche Stückzahlen, übereinstimmende Kontraktgrößen sowie derselbe Basiswert und Verfalltermin verbinden einen Bear-Put-Spread mit einem Bull-Call-Spread. Die Position wird gegen eine Nettobelastung eröffnet und kann von einer ausreichend großen Bewegung in beide Richtungen profitieren, wobei die jeweilige verkaufte äußere Option den Gewinn auf ihrer Seite begrenzt.

Diese Konstruktion kehrt den Iron Condor mit Nettogutschrift um. Im mittleren Kursintervall entsteht bei Verfall nicht der größte Gewinn, sondern der größte Verlust. Gegenüber dem alleinigen Kauf des inneren Puts und Calls verringert der Verkauf der äußeren Optionen die Prämie, schließt aber weitere Gewinne jenseits der Flügel aus.

Aufbau und Beispiel

Ein hypothetisches Beispiel geht von einem SPY-Kurs von $750 und Optionen mit 45 Tagen Restlaufzeit aus. Eine vollständige Position enthält in jedem Leg einen Standardkontrakt über 100 Aktien:

TransaktionBasispreisPrämie je Aktie
Einen Put verkaufen$700$2.00 vereinnahmt
Einen Put kaufen$725$6.50 gezahlt
Einen Call kaufen$775$8.50 gezahlt
Einen Call verkaufen$800$3.50 vereinnahmt

Der Put-Spread kostet $4.50 je Aktie und der Call-Spread $5. Zusammen ergibt sich eine Nettobelastung von $9.50 je Aktie beziehungsweise $950. Auf Kontraktebene kosten die gekauften inneren Optionen $1,500, während die verkauften äußeren Optionen $550 einbringen. Die Basispreise der gekauften Optionen liegen anfangs auf entgegengesetzten Seiten des SPY-Kurses. Für einen positiven Auszahlungswert bei Verfall ist daher eine Bewegung über einen inneren Basispreis hinaus erforderlich.

Auszahlung bei Verfall

Im Bereich von $725 bis einschließlich $775 haben bei Verfall alle Optionen einen inneren Wert von null, und die gesamte Nettobelastung von $950 geht verloren. Unterhalb von $725 steigt der Auszahlungswert des gekauften Puts mit jedem weiteren Kursrückgang um $1 um $100. Bei $715.50 deckt sein Auszahlungswert von $9.50 je Aktie die gesamte Nettobelastung; dort liegt die untere Gewinnschwelle.

Bei $700 hat der gekaufte Put einen Auszahlungswert von $25 je Aktie, während der verkaufte Put keinen Auszahlungswert hat. Unterhalb von $700 gleicht die Verpflichtung aus dem verkauften Put weitere Wertzuwächse des gekauften Puts aus, sodass ihre Differenz bei $25 bleibt. Der Auszahlungswert des Spreads von $2,500 abzüglich der Nettobelastung von $950 ergibt auf dieser Seite einen maximalen Gewinn von $1,550.

Oberhalb von $775 gewinnt der gekaufte Call an Wert und erreicht bei $784.50 die obere Gewinnschwelle. Bei $800 und darüber unterscheiden sich die Auszahlungswerte der Calls um $25 je Aktie, woraus sich derselbe maximale Gewinn von $1,550 ergibt. Bei einem bestimmten Verfallkurs trägt nur eine Seite einen positiven kombinierten Auszahlungswert bei.

Das Ergebnis zeigt ein flaches Verlustintervall in der Mitte, ansteigende Ergebnisse innerhalb jedes Flügels und begrenzte Gewinne in den beiden äußeren Bereichen. Eine Bewegung nur knapp über einen inneren Basispreis hinaus reicht nicht für einen Gewinn aus; der daraus entstehende Auszahlungswert muss auch die gesamte für beide Spreads gezahlte Nettobelastung decken.

Wert vor dem Verfall

Zur Schließung werden beide gekauften Optionen verkauft und beide verkauften äußeren Optionen zurückgekauft. Ein Nettoerlös von mehr als $9.50 je Aktie realisiert einen Gewinn. Da die noch laufenden Kontrakte Zeitwert enthalten, ist eine profitable Schließung möglich, bevor SPY eine der beiden Gewinnschwellen bei Verfall erreicht.

Nahe der Mitte kann ein Anstieg der impliziten Volatilität die Werte der gekauften inneren Optionen stärker erhöhen als die Werte der verkauften äußeren Optionen und dadurch den Nettowert des Condors steigern. Nähert sich SPY einem äußeren Basispreis, gewinnt die dortige verkaufte Option an Bedeutung und gleicht einen größeren Teil des Wertzuwachses der gekauften Option aus. Die Nettosensitivität gegenüber Volatilität und Zeit ändert sich daher mit der Lage des Basiswertkurses und den relativen Preisen der vier Kontrakte.

Bleibt SPY bei näher rückendem Verfall zwischen den inneren Basispreisen, verlieren die gekauften Optionen die verbleibende Chance, aus einer Kursbewegung einen Gewinn zu erzielen. Eine Schließung kann ihren verbleibenden Nettowert realisieren, sofern ein ausführbarer Kurs verfügbar ist; ein Halten bis zum Verfall in diesem Intervall führt dagegen zum Verlust der gesamten Nettobelastung. Selbst jenseits eines Flügels kann vor Verfall die Möglichkeit einer Rückkehr zur Mitte den Schließungswert unter der endgültigen Spreadbreite halten.

Ausübung, Zuteilung und Orderausführung

SPY-Optionen können vorzeitig ausgeübt werden, sodass jede der beiden verkauften äußeren Optionen bereits vor Verfall zugeteilt werden kann. Die Zuteilung des Puts mit Basispreis $700 führt zum Kauf von 100 Aktien zu $700, während der Put mit Basispreis $725 weiterhin das Recht bietet, diese Aktien zu seinem höheren Basispreis zu verkaufen. Die Zuteilung des Calls mit Basispreis $800 führt zum Verkauf von 100 Aktien zu $800, während der Call mit Basispreis $775 weiterhin das Recht zum Kauf von Aktien zu seinem niedrigeren Basispreis bietet.

Die gekauften Optionen bleiben eigenständig, bis sie verkauft oder ausgeübt werden. Die Nutzung eines Ausübungsrechts kann einen Aktienkauf oder eine Lieferverpflichtung abwickeln, dabei aber verbleibenden Zeitwert aufgeben. Markttransaktionen in den Aktien und Optionen können diesen Wert realisieren, sofern geeignete Kurse verfügbar sind. Vorübergehende Aktienpositionen erfordern ebenfalls Finanzierungsmittel oder Lieferfähigkeit, selbst wenn die gekaufte Option weiterhin einen wirtschaftlichen Ausgleich bietet.

Liegt der Kurs bei Verfall nahe einem äußeren Basispreis, kann die gekaufte innere Option ausgeübt werden, ohne dass eine ausgleichende Zuteilung der verkauften äußeren Option erfolgt. Nach dem Ende der Kontrakte verbleibende Aktienpositionen erzielen dann eigene spätere Gewinne und Verluste. Eine Kombinationsorder zur Schließung kann das Verhältnis der vier Legs für jedes ausgeführte Paket wahren, garantiert aber nicht, dass alle zur Schließung vorgesehenen Positionen tatsächlich geschlossen werden.

Auszahlungsformeln

Es seien K1<K2<K3<K4K_1<K_2<K_3<K_4 die geordneten Basispreise. Der verkaufte Put liegt bei K1K_1, der gekaufte Put bei K2K_2, der gekaufte Call bei K3K_3 und der verkaufte Call bei K4K_4. Für die Nettobelastung je Aktie dd, den endgültigen Basiswertkurs STS_T, den Multiplikator MM und qq vollständige Condors gilt:

Gewinn oder Verlust=qM[max(K1ST,0)+max(K2ST,0)+max(STK3,0)max(STK4,0)d]\text{Gewinn oder Verlust}=qM\bigl[-\max(K_1-S_T,0)+\max(K_2-S_T,0)+\max(S_T-K_3,0)-\max(S_T-K_4,0)-d\bigr]

Die Auszahlungswerte der gekauften Optionen werden addiert, die Verpflichtungen aus den verkauften Optionen subtrahiert und die Nettobelastung bei Eröffnung abgezogen. Bei gleichen Breiten w=K2K1=K4K3w=K_2-K_1=K_4-K_3 und 0<d<w0<d<w gilt:

Maximaler Verlust=qMd,Maximaler Gewinn=qM(wd)\text{Maximaler Verlust}=qMd,\qquad \text{Maximaler Gewinn}=qM(w-d) Gewinnschwellen=K2dundK3+d\text{Gewinnschwellen}=K_2-d\quad\text{und}\quad K_3+d

Bei unterschiedlichen Breiten entspricht das Ergebnis in jedem äußeren Kursbereich der Breite dieser Seite abzüglich der Nettobelastung, multipliziert mit qMqM. Eine Nullstelle liegt nur dann innerhalb des jeweiligen Flügels, wenn die Nettobelastung dessen Breite nicht übersteigt. Bei Gleichheit ist der gesamte äußere Bereich ohne Gewinn oder Verlust; eine höhere Nettobelastung bedeutet, dass auf dieser Seite bei Verfall kein Gewinn möglich ist. Der breitere Flügel bestimmt das höchste erreichbare Ergebnis, während im mittleren Intervall weiterhin die Nettobelastung verloren geht.